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Suonen im Wallis

Suonen gibt es kurze und lange, wasserreiche, wasserarme und vertrocknete, es gibt bedeutende und unbedeutende, alte und weniger alte, hoch gelegene und welche in tiefen Lagen – kurzum es gibt eine enorme Vielfalt. Insgesamt sind im Wallis rund 600 Suonen bekannt. Also handelt es sich dabei um keinen exotischen Insidertipp sondern um ein maßgebender Bestandteil der Kultur im Wallis – und es ist dabei egal, ob wir im deutschsprachigen oder im französischsprachigen Teil des Wallis unterwegs sind. Unterschiede gibt es natürlich in der sprachlichen Bezeichnung und bei vertiefter Kenntnis auch in kleinen Details. Im Oberwallis spricht man von Suonen, im fgranzösischsprachen Unterwallis hingegen von Bisse. Gemeint ist beides mal dasselbe.

In diesem Beitrag geht es um 

Warum gibt es Suonen

Wozu es aber die Suonen überhaupt braucht und wie sie funktionieren war bis hierher noch kein Thema.

Es ist kein Geheimnis, dass im Wallis häufig die Sonne scheint und selten der Regen fällt. Was diesen Kanton bei Urlaubern äußerst beleibt macht, bedingt auf der anderen Seite aber auch ein Klima, das für unsere Breiten ungewöhnlich trocken und heiß ist. Ob der Begriff Steppenklima nun gerade passend ist, darf diskutiert werden, aber von einem trocken mediterranem Klima kann man auf jeden Fall sprechen.

Eine auf landwirtschaftliche Erzeugnisse gründende Kultur muss sich etwas einfallen lassen, wenn unter diesen wirdigen Umständen Nahrungsmittel und Viehfutter geerntet werden will. Mit der Wärme gibt es bereits einen guten klimatischen Faktor. Es fehlt lediglich am Wasser. Dieses findet sich jedoch in den Berggipfelregionen, die dank ihrer gewaltigen Höhe (Wallis das Land der 4000-er) die Regenwolken aufhalten und zum Abregenen zwingen. Entweder werden diese Niederschläge in den Gletschern gespeichert oder sie rauschen auf geradem und direkten Weg in tief eingekerbten Tälern den Hang hinunter ins Rhonetal. Also bleiben die gesamten Talhänge trocken. Zu trocken!

Grundprinzip der Suonen

Prinzip der Suonen
Prinzip der Suonen

Schon im Mittelalter wurde deshalb damit begonnen, das Wasser aus den Bergbächen abzuleiten, so dass es nicht auf direktem Weg in die Rhone fließt (lila), sondern zunächst auf die Hänge links und rechts des Rhonetals geleitet werden kann (rot). Die Menschen begannen mit dem Bau der Suonen. Mit möglichst geringem Gefälle wird das Wasser entlang dem natürlichen Gelände aus den Tälern der Bergbäche heraus geleitet und dorthin gebracht, wo eine landwirtschaftliche Nutzung möglich ist.

Was im Prinzip relativ einfach klingt erfordert in der Umsetzung jedoch eine enormen ingenieurtechnische Leistung, galt es doch im unwegsamen Gelände Trassen zu finden, die es dem Wasser ermöglichen ohne Einsatz von Pumpen bis an die gewünschte Stelle zu fließen. Oft fanden sich auf diesen Trassen auch blanke Felswände, bei denen es nicht möglich war, einen Graben / Kanal auszuheben. 

Suone im Kännel
Suone im Kännel

Teils waghalsige Konstruktionen, sogenannte Kännel, wurden errichtet. Diese hölzerne Konstruktionen waren entweder ausgehöhlte Baumstämme oder gezimmerte Tröge.

Der Regelfall waren aber die in das steile Gelände eingegrabenen Kanäle, die  auf engstem Raum von einem schmalen Weg für die Unterhaltsarbeiten an der Suone begleitet wurden.

Diese Wege sind vielfach bis heute vorhanden und gepflegt und laden zu spannenden kulturhistorischen Wanderungen ein. So vielfältig wie die Suonen, sind auch die möglichen Wanderungen, bei denen die Geschichte der Bewässerung im Wallis erlebbar wird.

Ein paar bautechnische Details der Suonen:

Wasserfassung

Es gilt, das Wasser aus dem Bergbach in die Suonen abzuleiten. Dafür bedarf es in gewissem Sinne einfacher Wehranlagen, die zum einen dafür sorgen, dass genügend Wasser in die Suonen läuft, auf der der anderen Seite aber Kies, Geröll und Äste nicht das Bett der Suonen verschmutzen.

Bauart der Suonen

Die Kanäle sind teilweise direkt in den Boden eingegraben. 

Für das Bett der Suonen findet man Befestigungen mit Steinplatten, wobei sich je nach Region unterschiedliche Anordnungen zeigen. Die Steinplatten können seitlich als Erosionsschutz stehen oder als sogenanntes Tretschbord dem Erosionsschutz und der Stabilisierung des Kanals samt Weg dienen. Diese Anordnung erreicht eine sehr hohe Stabilität durch organische „Rasenziegel“ zwischen den Steinplatten.

Neuzeitlich errichtete oder instandgesetzte Suonen fließen oft auch in betonierten Kanälen. 

Teilweise sind es auch Stahl- oder Aluminiumprofile durch die das Wasser der Suonen geleitet wird. 

Beton, Stahl und Alu sind Möglichkeiten, wenn der Untergrund wasserdurchlässig ist und die Gefahr des Wasserverlustes durch Versickerung droht.

Gar nicht mal so selten ist die Führung der Suonen in geschlossenen Rohren. So lässt sich der Begleitweg einfach auf das eingegrabene Rohr legen und das Wasser ist vor Verschmutzung geschützt.

Die Suone führt durch einen neuen Tunnel
Die Suone führt durch einen neuen Tunnel

Auch die Führung der Suone in Tunnels hat sich für extrem schwierige Passagen bewährt, vor allem nachdem der Sprengstoff zur Verfügung stand. Manche Tunnels sind begehbar, manche sind gesperrt.

Überwachung der Suonen

Bei der Nutzung der Suonen bestand die Gefahr, dass die Suone einen Schaden hatte und das Wasser unkontrolliert abfloß. Um derartige Gefahren möglichst schnell abzuwehren wurde bereits früher schon ein einfaches aber wirksames Frühwarnsystem verwendet. Dabei wurden im Lauf der Suone kleine Wasserräder mit Klopfhammer eingebaut. Solange Wasser floss, drehte sich das Wasserrad und der Hammer erzeugte ein regelmäßiges Klopfen. Hörte das Klopfen auf, fehlte offensichtlich das Wasser.

Früher war es notwendig, dass die Suonen ständig kontrolliert und instand gehalten wurden. Dem Suonenwärter wurde die Tätigkeit insoweit erleichtert, indem direkt an der Suone eine Hütte errichtet wurde, in der je nach Größe Werkzeug und Material gelagert wurde oder sogar der Suonenwärter den Sommer über wohnen konnte. 

Wassermanagement

Wasserteiler (ein Teil wird in eine andere Suone abgeleitet)
Wasserteiler (ein Teil wird in eine andere Suone abgeleitet)

An großen Berghängen gab es oft mehrere Suonen auf unterschiedlichen Geländehöhen. Diese waren meistens miteinander verknüpft. Also gab es Bauwerke in denen das Wasser nach festem Schlüssel verteilt wurde.

Bäche die den Lauf der Suone queren sind stets eine spannende Sache, da auch sie kostbares Wasser mit sich führen. Wer dieses Wasser nutzen durfte ist jedoch genau geregelt. Also gibt es querende Bäche, von denen Wasser in die Suone aufgenommen wird und Bäche die über oder unter der Suone geführt werden, ohne dass es zu einem Wasseraustausch kommt.

Wassernutzung entlang der Suonen

Die Suonen führen das Wasser zu den bewirtschafteten Hängen des Rhonetals. Es muss letztlich aber auf die bewirtschafteten Flächen geleitet werden. Dafür finden sich regelmäßig Schieber in der talseitigen Suonenwand, die eine teilweise Entnahme des Suorenwassers ermöglicht. Nach dem Schieber fließt das Wasser in kleine Erdgräben, die sich oberhalb der zu bewässernden Fläche befinden. In diesen Gräben wird mit einfachsten Mitteln das Wasser gestaut (lila) und seitlich auf die Fläche abgeleitet (blau). Nach einer bestimmten Zeit wird die erste Ableitung geschlossen und ein paar Meter weiter das Wasser gestaut und abgeleitet. Eine durchaus zeitaufwändige Handarbeit, um eine landwirtschaftliche Fläche mit dem erforderlichen Wasser zu versorgen. Dies ist die historische Methode.

Heute wird das Wasser in der Regel mit Beregnungssystemen verteilt. Teilweise werden diese mit dem natürlichen Wasserdruck aus den Suonen betrieben, teilweise wird das Wasser auch mit Pumpen aus den Suonen entnommen und dann an festinstallierten Zapfstellen (roter Pfeil) bereit gestellt.

Auch wurden Speicherseen angelegt, in denen das über Nacht herbei geflossene Wasser bis zur Nutzung/Ableitung am folgenden Tag gespeichert wurde.

Suonenwanderungen

Ganz unterschiedliche Suonenwanderungen kann man bei einem Besuch im Wallis erleben.

Laldneri

An wasserreichen Suonen wie beispielsweise der Laldneri, wird man stets von stark strömenden Rauschen des milchigen Wassers begleitet. Mehr zur Wanderung entlang der Laldneri gibt es hier

Grand Bisse de Lens

An großen und vor allem langen Suonen wie der 14 Kilometer langen Grand Bisse de Lens kann man viele Bautechniken antreffen. Mehr zu einer anspruchsvollen Wanderung entlang der Grand Bisse de Lens gibt es hier

Bisse du Clavau

Für einen faszinierenden Spaziergang inmitten von Weinbergen bietet sich die Bisse du Clavau an. Mehr zu diesem Spaziergang entlang der Biss du Clavau gibt es hier

Obere Wasserleite

Eine kurze und kleine Suone sind die Obere und Untere Wasserleite. Der Name verrät es, am Weinberg bei Gampel führen zwei kleine Suonen das Wasser zu den Rebstöcken. Ein entspannter Spaziergang bietet viel Abwechslung. Mehr zum Spaziergang entlang der Oberen Wasserleiti gibt es hier

Die ganze Welt der Suonen

Dieser grundsätzliche Beitrag über die Suonen im Wallis ist auf einen einfachen und leicht verständlichen Überblick reduziert. Es gibt natürlich Institutionen und Experten, die sich intensiv mit den Suonen im Wallis auseinandergesetzt haben.

Einen inventarischen Ansatz mit Hintergrundinformationen wählt die Internetseite von Johannes Gerber www.suone.ch

Ebenfalls recht informativ und inventarisch ist die Internetseite http://www.musee-des-bisses.ch/de

Wer selber eine Suonenwanderung unternehmen möchte, verliert anhand von 600 bekannten Suonen leicht den Überblick. Eine äußerst hilfreiche Vorauswahl über 47 wanderbare Suonen findet sich in dem Buch „Wandern an sagenhaften Suonen“ von Johannes Gerber. Das Buch ist erschienen im Rotten Verlag, Visp mit der ISBN 978-3-905756-005

Neben der Lektüre ist natürlich auch eine fachkundige Führung mit einem Guide eine optimale Möglichkeit sich mit dem Thema vertraut zu machen. Ich hatte die Gelegenheit gemeinsam mit dem Suonenexperte Johannes Gerber die Grand Bisse de Lens zu besuchen. Dabei sieht und erfährt man Dinge, die einem ohne das geschulte Auge entgehen würden. Mehr zu dieser Wanderung gibt es demnächst hier. 

Grand Bisse de Lens
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