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Nufenenpass mit dem Fahrrad

Über den Nufenenpass bei Regen mit dem Fahrrad 

Der Nufenenpass ist der jüngste und der höchste Pass in der Schweiz

Nufenenpass

Die Passstraße über den Nufenen ist der jüngste ausgebaute Alpenübergang in der Schweiz. Erst seit etwas mehr als 50 Jahren führt eine ausgebaute Straße über den Pass, der das östliche Wallis mit dem Tessin verbindet. Diese recht junge Straße bedingt zwar einen durchweg ordentlichen Ausbauzustand, aber die Annahme, dass eine neuzeitliche Trassierung mit eher moderaten Steigungsprozenten aufwartet täuscht gewaltig. Die Rennradler der „Quäldich“ Internetseite bezeichnen den Nufenenpass lapidar als „einen der Härtesten“. Nicht unbedingt ein Kriterium, das für die Wahl der zu befahrenden Schweizer Pässe maßgebend ist. Aber der Umstand „höchster und jüngster Pass“ in der Schweiz machen den Pass attraktiv.

Nufenenpass

Die Wetterprognose am geplanten Fahrtag war nicht optimal und änderte sich auch kurzfristig immer wieder, mit der Tendenz zunehmender Verschlechterung. Dennoch hoffte ich durch frühzeitigen Start die Passhöhe trocken zu erreichen und nur in der Abfahrt die Regenkleidung anziehen zu müssen. Der Regen war leider schneller.

Start in Ulrichen an der Westzufahrt zum Nufenenpass

Im Obergoms liegt der Startort Ulrichen, der übrigens auch ganz gut mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn erreichbar ist. Direkt neben der Bahnstation überquert man die junge Rhone, die hier im deutschsprachigen Teil des Wallis als „der Rotten“ benannt wird. Ab der Siedlung „zum Loch“ geht es dann los mit dem Anstieg. Abwechslungsreich, mit schönen Rückblicken ins Obergoms zieht die Straße hinauf zur Kittbrigg.

Ägenetal

Nach einer weiteren mäßigen Steigung gelangt man ins Ägenetal. Eine kurze Erholung bietet zunächst die etwas flachere Passage von vielleicht achthundert Meter. Danach geht es aber in weiten Bögen stramm nach oben, bis die Talseite gequert wird.

Die Weiterfahrt bis zur Alpe Ladstafel zieht sich relativ gerade am östlichen Hangfuss des Ägenetals nach oben und zwar ebenfalls mit ordentlichen Prozentzahlen. Diese langezogenen  Steigungen sind tückisch, denn sie sehen viel harmloser aus, als sie es sind. Bei der Alpe Ladstafel hat man ungefähr die Hälfte der zu überwindenden Höhenmeter geschafft. Vor sich sieht man die Serpentinenstrecke, an deren Ende bereits die Passhöhe liegt. Scheinbar ein Katzensprung.

Nufenenpass
Blick zurück ins Ägenetal

10 Haarnadelkurven bis zum Scheitel des Nufenenpass

In kurzen und langezogenen Serpentinen mit insgesamt zehn Haarnadelkurven geht es jetzt nochmals 550 Höhenmeter nach oben. Ein Abschnitt den ich komplett im Dauerregen bewältigt habe. Zur Überwindung solcher Herausforderungen hat es sich bewährt, die Aufgabe in überschaubare Einheiten zu zerlegen. Konkret heißt das kurze Pause in den Haarnadelkurven nach den langezogenen Serpentinenstrecken oder auch mal ein paar Meter schieben und dann wieder mit gelockerter Muskulatur weiter strampeln. Nicht die schnellste Methode, aber sie führt zuverlässig nach oben.

Passhöhe Nufenen

Auf der Passhöhe des Nufenen gibt es, wie so oft einen kleinen See, einen großen Parkplatz, ein Kiosk und ein von mir sehnlichst erwartetes Restaurant. Dieses hatte aber geschlossen, da an diesem Tag auf dem Nufenen Stromausfall war. Das Kiosk hatte geöffnet obwohl es zunächst sehr dunkel aussah. Die freundliche Dame ermöglichte es mir im Kiosk die nassgeschwitzte Kleidung gegen trockene Kleidung zu wechseln.

Abfahrt vom Nufenenpass ins Val Bedretto

Mit trockener Kleidung am Körper, geschützt durch wetterfeste Kleidung erfolgte die Abfahrt vom Nufenenpass im Regen. Da es am Anfang noch recht steil und die Straßen nass und unbekannt waren, hieß es lang und viel bremsen. Mit der Zeit tauchte ich in eine Nebel- und Wolkenschicht ein, so das vom Tal, den Almen und Bergen nicht mehr viel zu sehen war.

All’ Aqua

Das einzige geöffnete Restaurant während der Passfahrt befindet sich in All‘ Aqua. Das Personal spricht nur italienisch und so wird schon das einfache Bestelen einer heißen Schokolade spannend (heiß=caldo). Hier im Regen wartet auch ein deutsches Paar, das den GTA  Fernwanderweg in Angriff nehmen möchte. GTA steht für Grande Traversata delle Alpi und führt wohl recht anspruchsvoll durchs Piemont bis an die Riviera. 

Durchs Val Bedretto bis nach Airolo

Bei der Weiterfahrt wird die Straße flacher und man kann es rollen lassen. Gleich soviel als Info, bis Airolo gibt es keine Gegensteigung und man kommt flott voran. Bei etwas besserem Wetter lohnt es sich aber sicherlich den kleinen Schlenker über Rocco – Bedretto und Villa Bedretto zu fahren. In Airolo schließlich endet die Fahrt über den Nufenen Pass. Der Bahnhof hat zwar seit dem Gotthard Basis Tunnel an Bedeutung verloren, aber noch immer fahren stündlich Züge in beide Richtungen. Es sind die sehr modernen Niederflurtriebzüge der Südostbahn, die einen nach Süden bis Locarno und nach Norden bis Zürich, Luzern oder Basel bringen.

Treno Gottardo, copyright SOB/Markus Schälli
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