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Fahrrad – über den Gotthard

Der Gotthardpass – oben drüber, statt unten durch

Vermutlich der legendärste Alpenübergang auf dem Weg in den Süden ist der Gotthardpass. Doch der Gotthard ist mehr, er ist ein Mythos, der auch ganz gern mal für die nationale Identität der Schweiz heran gezogen wird.

Also gehört der Gotthard unbedingt auch auf die Liste der zu bewältigenden Pässe. Auf dem Weg über den Gotthard sind neben der eigentlichen Passhöhe noch mehrere Hindernisse zu überwinden. So richtig los geht’s am Göschenen, der Ort, an dem der Autobahntunnel und der alte Eisenbahntunnel ihr Nordportal haben.

Erstes Hindernis ist die legendäre Schöllenenschlucht die bis ins 13. Jahrhundert als ein unüberwindbares Hindernis galt.

  

Wie an so vielen topografisch schwierigen Passagen steht auch hier eine Teufelsbrücke.

Es geht die Sage, dass die Urner immer wieder darüber rätselten, wie die Schöllenenschlucht zu überwinden sei. Schliesslich rief ein Landamman ganz verzweifelt aus: „Do sell der Tyfel e brigg bue“ „Soll doch der Teufel selber da eine Brücke bauen!“ Kaum ausgesprochen, stand er schon vor der Urner Bevölkerung. Der Teufel versprach ihnen einen Pakt: Die Brücke würde fortan halten. Aber der Teufel sagte zu den Leuten, er werde eine Brücke bauen, aber die erste Seele, die die neue Brücke überschreitet, soll ihm gehören. Nachdem man auf diesen Handel eingegangen war, stand auch schon bald eine neue starke Brücke über der Schlucht.

Doch die Urner wussten nicht, wen sie hinüberschicken sollten, bis ein schlauer Bauer eine geniale Idee hatte. Er band seinen Geissbock los und jagte den Ziegenbock auf die andere Seite. Rasend vor Wut, ergriff der Teufel einen Felsblock und drohte damit, sein Werk zu zerstören. Darauf kam ein altes Weiblein des Wegs und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel, und der Fels landete in der Nähe von Göschenen. Dort liegt der Teufelsstein nun seit Jahrhunderten. Die Brücke nennt man seit dieser Zeit die Teufelsbrücke

 

Nach der Schöllenenschlucht kommt man in das einsame Urserental mit dem Hauptort Andermatt.

 

Hier ein Tipp: Quartier in Andermatt beziehen und von hier aus den Gotthardpass in Angriff nehmen. Von Ende der Tour kann man dann bequem mit dem Zug zurück nach Andermatt fahren.

Wirklich beeindruckend ist natürlich die Fahrt über die alte kopfsteingepflasterte Passstraße. Auf der Südseite, nach der Passhöhe, kommt der berühmteste Abschnitt – die Tremola. Die Straße liegt hier am linken Hang des Val Tremola. In diesem spektakulären Abschnitt überwindet die Strasse auf einer Länge von vier Kilometern 300 Höhenmeter in 24 Kehren, die sogar eigene Namen tragen.

Es ist ein besonderes Erlebnis, diese Fahrt von der Passhöhe hinab bis nach Airola, dort wo der Autobahntunnel und der alte Eisenbahntunnel ihr Südportal haben. Ach übrigens – die Gotthard-Passstrasse ist das längste Baudenkmal der Schweiz.

Nochmals ein interessantes Hindernis kommt in der oberen Leventina, bei Rodi. Es ist eine sehr enge Schlucht, die sich der Ticino durch den Monte Piottino gesägt hatte. Eigentlich ist es keine Fahrradroute, sondern nur ein Wanderweg. Aber man kann das Rad schieben und folgt so dem historischen Weg durch die Schlucht. Es ist die alte Urnerstrasse von 1561, ist im Laufe der letzten Jahre nach Originalvorlage restauriert wurde.

In der Schlucht glitzert grün der Ticino zwischen rund geschliffenen Gneisblöcken und etwas oberhalb bahnt sich der heutige Transitverkehr den Weg: Die Eisenbahn, die in Kehrtunnels den Höhenunterschied überwindet, die Landstraße, die in einem Tunnel die Schlucht umfährt und schließlich die Autobahn, deren Röhren die modernen Verkehrsströme bewältigen und in weiten Bögen nach unten führen.

Wer hingegen schnell in den Süden will und den modernen Eisenbahntunnel nutzt, sieht von all dem überhaupt nichts.

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