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Gotthard – Alpenüberquerung auf drei Etagen

Was ist der Gotthard?

 

Ein Berg? Ein Massiv? Ein Mythos? Eine Rockband? Das Selbstverständnis der Schweiz schlechthin? Das Zentrum der Schweiz? Das Quellgebiet von vier Flüssen, die die Schweiz nach Norden, Süden, Osten und Westen durchqueren?

 

 

Sicher all das und noch vieles mehr. Für Reisende ist es aber in erster Linie der wichtigste Alpenpass der Schweiz. Der Gotthard verbindet zum einen Nord und Süd, zum anderen ist er ein Erlebnis, gleich dreifach, auf drei unterschiedlichen Niveaus.

Die erste Ebene auf 2106 Metern:

Beginnen wir ganz oben – an der Passhöhe in 2106 Metern Höhe. Hier führt die alte Gotthardpassstraße über den Berg. Sie beginnt, von Norden kommend in Göschenen. Als lange Zeit schwer zu überwindendes Hindernis folgt hier die Schöllenen Schlucht. Wie so oft in der Geschichte der mobilen Menschheit half auch hier der Teufel bei der Überwindung eines bautechnischen Problems. Die Teufelsbrücke wurde errichtet.

Hier die Geschichte dazu:

Es geht die Sage, dass die Urner immer wieder darüber rätselten, wie die Schöllenenschlucht zu überwinden sei. Schliesslich rief ein Landamman ganz verzweifelt aus: „Do sell der Tyfel e brigg bue“ „Soll doch der Teufel selber da eine Brücke bauen!“ Kaum ausgesprochen, stand er schon vor der Urner Bevölkerung. Der Teufel versprach ihnen einen Pakt: Die Brücke würde fortan halten. Aber der Teufel sagte zu den Leuten, er werde eine Brücke bauen, aber die erste Seele, die die neue Brücke überschreitet, soll ihm gehören. Nachdem man auf diesen Handel eingegangen war, stand auch schon bald eine neue starke Brücke über der Schlucht.

 Doch die Urner wussten nicht, wen sie hinüberschicken sollten, bis ein schlauer Bauer eine geniale Idee hatte. Er band seinen Geissbock los und jagte den Ziegenbock auf die andere Seite. Rasend vor Wut, ergriff der Teufel einen Felsblock und drohte damit, sein Werk zu zerstören. Darauf kam ein altes Weiblein des Wegs und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel, und der Fels landete in der Nähe von Göschenen. Dort liegt der Teufelsstein nun seit Jahrhunderten. Die Brücke nennt man seit dieser Zeit die Teufelsbrücke.

 In der Schöllenen Schlucht fällt ein monumentales Denkmal in der Felswand auf. Es erinnert an den russischen General Suchorow, dem man beim Reisen in denSchweiz immer wieder mal begegnet – z.B. am Pragelpass.

Am oberen Ende der Schlucht liegt Andermatt, von wo aus man nicht nur den Gotthard Pass, sondern auch noch den Oberalp Pass und den Furka Pass erreicht. In Hospental verlässt man das Urserental. Hier auf der Nordrampe teilt man sich auf großen Teilen die Straße mit dem Autoverkehr. Ganz anders die Südrampe. Hier wartet die Tremola, jene berüchtigte Kopfsteinpflasterstrasse, die gleichzeitig dass längste Baudenkmal der Schweiz ist. In insgesamt 24 Kehren geht es hinunter bis nach Airola.

     

über den Gotthard mit dem Fahrrad

Die zweite Ebene auf ca. 1130 Metern:

Auf dieser Ebene sind vor allem die PKW und LKW auf dem Weg nach Süden. Diese Ebene ist regelmäßig im Verkehrsfunk zu höre „Stau vor Göschenen, Stau vor Airolo“

 

Und zwischen Göschenen und Airolo verläuft der Autobahntunnel der A2. Knapp daneben, ebenfalls zwischen Göschenen und Airolo befindet sich der Eisenbhntunnel, der bis Ende 2016 neben dem Lötschberg die einzige Bahnverbindung in den Süden darstellte. Um bis zu diesen beiden Tunnels zu gelangen, musste man vom Vierwaldstätter See aus aber bereits einige Anstrengungen unternehmen. Legendär sind auch hier wieder die Baukünste der Eisenbahningenieure am Ende des 19. Jahrhunderts. Zu einer gewissen Berühmtheit haben es die Schleifen, sprich Kehrtunnels bei Wassen gebracht. Durch deren Anordnung kann man nämlich die Kirche von Wassen dreimal sehen, mal rechts, dann nochmals rechts  und dann zum Abschluss noch links (gilt fürs Hochfahren). Das funktioniert übrigens auch auf der Hauptstraße, die durchs Ort führt. Hier gilt: rechts, links, links.

Auch jenseits des Gotthard, bei der Abfahrt von Airolo in die Leventina, gibt es ähnlich konstruktive Meisterleistungen am Monte Piottino. In Kreistunnels überwindet die Eisenbahn den Höhenunterschied, die Autobahn zwängt sich durch weitläufige Tunnels zu Tale und in der klammartigen Schlucht des Ticino finden sich noch Reste des historischen Weges. Die alte Urnerstrasse von 1561, ist im Laufe der letzten Jahre nach Originalvorlage restauriert worden und steht als faszinierender Wanderweg durch Natur und Geschichte zur Verfügung.

 

Die dritte Ebene zwischen 300 und 450 Metern:

Schon wieder ein Superlativ – der längste Eisenbahntunnel der Welt (zu mindestens im Jahr der Eröffnung 2016) verbindet als sogenannter Basistunnel den Norden mit dem Süden. Eine Auffahrt entfällt komplett. Auf dem Niveau des Vierwaldstätter Sees verschwindet man bereits bei Erstfeld in der Tunnelröhre und kommt erst kurz vor Biasca wieder ans Tageslicht. Im Sommer vor der Inbetriebnahme war es möglich mit Sonderzügen den Tunnel und die Multifunktionshaltestellen tief unter Sedrun zu besichtigen.

 

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