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Wehrhafte Schweiz – das Reduit

Festung Schweiz – Geschichte und Mythos

Reist man mit offenen Augen durch die Schweiz, so sieht man auch heute noch recht viele Zeugnisse der wehrhaften Schweiz.die Schweiz, ein Staat in dem jeder erwachsene Mann sein Sturmgewehr zuhause stehen hat, um die heimatliche Alpenrepublik im Ernstfall zu verteidigen. 

Von der Alpenfestung des Reduit sieht man vereinzelt noch immer die   Sperranlagen mit der ein feindlicher Angriff aufgehalten werden sollte. Die meisten der Panzersperren sind aber inzwischen abgebaut. Die großen, in den Bergen und Felsen verstecken Festungsanlagen (Sargans, St. Maurice, Gotthard) stehen seit Neuem dem Tourismus zur Verfügung und können besichtigt werden. (ein Überblick findet sich auf der Linkseite von www.festung-schweiz.ch)

Auch die Militärflugplätze, die seit jender Zeit in vielen Alpentälern vorhanden sind, haben ihre strategische Bedeutzung verloren. Manche werden inzwischen zivil genutzt, manche noch immer militärisch und manche sind aufgegeben. Einer recht ungewöhnlichen Nachnutzung sind wir im Simmental zwischen Zweisimmen und Lenk begegnet: ein „Einachtelmeilen-Rennen“  (mehr dazu). Ein Wochenendfestival mit einer Mischung aus Rock‘n Roll, Oldtimer, Party, Petticoat und natürlich abgefahrenen Auto- und Motorradrennen. 

Geschichtlicher Hintergrund zum Reduit: 

Knappe Zusammenfassung aus folgenden Quellen:

https://www.festung-oberland.ch  von Hans Rudolf Schneider, Bälliz 4 – CH 3714 Frutigen
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8696.php Historisches Lexikon der Schweiz, Autor Hans Senn

Bereits vor dem 2. Weltkrieg entstanden im Schweizer Grenzgebiet verschiedene Festungen an strategisch wichtigen Punkten an der Grenze zu Frankreich  und an der Grenze zu Deutschland. An denb ereits oben erwähnten Punkten Gotthard, St. Maurice und Sargans entstanden moderne Festungen. Mit beginn des zweiten Weltkrieg wurde der Festungsbaut weiter verstärkt. Groß angelegte Sperrwerke und Panzerhindernisse entstanden. Ihnen kann man noch in der ganzen Schweiz begegnen, wenn man mit offenen Augen durchs Land reist.

Unter dem Eindruck der Blitzkriege Deutschlands gegen Polen und Frankreich kam man in der Schweiz zum Schluss, dass die Armee nicht flächendeckend über die ganze Schweiz, sondern schwerpunktmässig nur in einem begrenzten Gebiet erfolgreich kämpfen könne.
Man entwickelte ein dreistufiges Konzept mit einer Verteidigung in der Grenzzone, einer ersten Stellung im Mittelland (der sogenannten vorgeschobenen Stellung) und einer Zentralraumstellung, dem Reduit. Zudem musste mangels geeigneter Waffen zur Panzerabwehr der Schutz in Geländeverstärkungen, Sperren und Befestigungen gesucht werden.
Für die Lage dieser Anlagen sind vor allem die zwei Operationsbefehle von General Henri Guisan Nr. 12 vom 17. Juli 1940 und Nr. 13 vom 24. Mai 1941 massgebend. Die vorgeschobene Stellung verlief von Sargans dem Zürichsee und der Limmat entlang in den Raum Hauenstein, von dort über den Jura gegen den Jolimont zwischen Neuenburger und Bielersee, sodann über den Vully und anschliessend von Murten an die Saane.
Die Zentralraumstellung umfasste im wesentlichen den Alpenraum (ohne den grösseren Teil Graubündens und ohne das Tessin), wobei die Grenze im Berner Oberland durch den Hohgant, Heiligenschwendi und den Thunersee, sowie den unteren Lauf der Kander und die Stockhornkette gebildet wurde. In diesem Raum sind heute noch zahlreiche interessante Anlagen zu sehen. Mit dem Operationsbefehl Nr. 13 wurde dann die vorgeschobene Stellung als operative Stellung aufgegeben und es erfolgte die endgültige Aufstellung praktisch der gesamten Schweizer Armee im Reduit.
Von der Grenze durchs Mittelland sollte nur noch ein Verzögerungskampf geführt werden. In der Folge zog sich das Gros der Armee in die befestigten Alpen zurück. Das erforderte massive Bauten an den Eingängen dieser Zentralfestung. Die meisten grossen Festungswerke der Schweiz stammen aus dieser bedrohlichen Zeit und wurden mehrfach modernisiert und ausgebaut, bevor Ende des letzten Jahrhunderts deren endgültiges Aus kam.

Verlauf und Abgrenzung des Schweizer Réduits unterlagen bis Mitte der 1990er Jahre der Geheimhaltung. Es war aber allgemein bekannt, dass das Réduit rund einen Viertel des Schweizer Territoriums umfasste.  Auch der Veraluf der Reduitgrenzen war im Grossen und Ganzen schon seit langem öffentlich bekannt.
Gerade nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Symbolkraft des Reduits zu einem nationalen Mythos. Das Reduit und der damiteinhergehende Mythos wurde erst Ende des 20. Jh. in Frage gestellt. Für die Aktivdienstgeneration war das Reduit der Inbegriff des Wehrwillens, der den Sonderfall einer eigenständigen Schweiz verkörperte und als Fortsetzung der Befreiungstradition betrachtet werden kann. Kritische Stimmen massen dem Reduit eine untergeordnete Bedeutung zu. Sie legten ihr Augenmerk in der Diskussion vielmehr auf die Rolle der Armee im 2. Weltkrieg und die polit., wirtschaftl. und finanzielle Verflechtung der Schweiz mit den kriegführenden Mächten.

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