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Schweizer Pünktlichkeit

Schweizer Pünktlichkeit – oder wenn die Uhren anders gehen

Es gibt ein paar Begriffe, Themen und Klischees, die gerne in direkte Beziehung zur Schweiz gebracht werden.  Legendär ist die Pünktlichkeit. Pünktlich wie eine Schweizer Bahnhofsuhr, sagt man auch ganz gerne mal als Reisender in der Schweiz.

Ein Klischee, über das aber auch mal nachgedacht werden darf, oder sollte man schon eher sagen “ nachgedacht werden muss“, wenn man folgende wahre Begebenheit betrachtet.

Beim Besuch auf dem Flughafen Zürich lohnt allemal das Ticket für die Zuschauerterrasse, um den starteten und landenden Fliegern zuzuschauen und ein bisschen mit Reinhard Mey‘ s „Über den Wolken….“ zu träumen.

 

Mitten im Flugfeld befindet sich Dock E mit der Zuschauerterrasse E. Während der Sommermonate fährt ein Shuttlebus zum Dock E. Durch spezielle, von Security abgeschirmte Treppenhäuser gelangt man von der Terrasse B zum Bus. Dieselbe Situation am Ziel, wo es über einen bestimmten Aufzug wieder hinauf zur Terrasse E geht. Die Fahrt lohnt auf jeden Fall, denn man fährt mit dem Bus übers Rollfeld und durch riesige Tunnels unter dem Rollfeld – das ist interessant.

Terrasse B
Terrasse E auf Dock E

 

Das „Plane spotting“ auf Terrasse E ist etwas anders aber nicht wirklich spektakulärer als auf Terrasse B. Schnell reift die Überzeugung, dass die 30 Minuten bis zur Fahrt des nächsten Buses vollauf genügen. Ja, diesen Bus darf man nicht verpassen, denn eine Stunde auf Terrasse E wäre nun alles andere als ein Genuss. Also die Uhr im Blick behalten und rechtzeitig zu den Aufzügen gehen. Mehrere Aufzüge führen nach unten, speziell einer ist für die Gäste vorgesehen. Über diesem zeigt eine Uhr, dass es nur noch wenige Minuten bis zur Abfahrt sind und der Aufzug ist besetzt. Versuche mit den anderen Aufzügen zu fahren scheitern, Denn in diesen fährt das Personal – und das darf nicht zusammen mit Besuchern in eine Aufzugskabine – Security! Endlich kommt der erwartete Aufzug, es sind nur noch wenige Minuten. Keine weiteren Verzögerungen, der Bus ist auch noch da, als ich unten aus dem Fahrstuhl steige. Auf dem Weg zum Bus fällt der Blick auf die Uhr am Securitydesk – es sind noch fast 10 Minuten bis zur Abfahrt. Ich spreche den diensthabenden Wachmann an, ob ich evtl. ein Wahrnehmungsproblem habe. „Nein, nein“, beruhigt es mich, „die Uhr oben am Fahrstuhl haben wir bewusst um einige Minuten vorgestellt, da es immer wieder mal vorgekommen ist, dass Besucher den Bus verpassten, weil es ja bei den Aufzügen manchmal ein bisschen dauert.“

In der Tat gibt es also am Flughafen Zürich mindestens eine Uhr, die gezielt falsch läuft – und zwar im Interesse der Pünktlichkeit, denn der Shuttlebus fährt pünktlich.

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