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Kunkelspass mit dem Fahrrad

Die Fahrt über den Kunkelspass führt durch die beeindruckende Tektonikarena Sardona

Ist der Kunkelspass wirklich ein Pass?

Dass dieser Pass zunächst einmal Stirnrunzeln hervorruft, ist nicht ganz abwegig. Schon beim Namen gerät man ins Stocken. Zur Verdeutlichung, es ist mitnichten der Kunkel-spass, sondern der Kunkels-pass. Und spätestens wenn man den Kunkelspass von Süden nach Norden befahren hat, weiß man, ein Spaß ist das beileibe nicht. Dazu kommt noch, dass der Kunkelspass so ziemlich unbekannt sein dürfte; bevor man sich nicht mit Google über dessen Lage schlau gemacht hat. Danach weiß man, dass dieser Pass verkehrstechnisch absolut bedeutungslos ist. Weder für den Alpentransitverkehr noch für die lokale Verbindung von zwei Talschaften spielt der Kunkelspass eine Rolle. Im Prinzip verbindet der Kunkelspass das Rheintal mit dem Rheintal – klingt etwas schräg. Anders gesagt: Südlich von Bad Ragaz zieht der Fluß Tamina ein weites Tal zwischen dem Calandamassiv und dem Pizolmassiv. Dieses rund 25 Kilometer lange Tal steigt von 500 Metern bis auf über 1300 Metern an und endet auf einer sehr schön gelegenen Alm. Damit könnte es gut sein. Man hat aber die Straße weiter nach Süden verlängert und erreicht bereits nach wenigen Kilometern wieder das Rheintal bei Reichenau, also dort wo Hinterrhein und Vorderrhein zusammenfließen.

Von Süden aus zum Kunkelspass hinauf

Nun also zur Fahrt über den Kunkelspass, die ich von Süden nach Norden durchgeführt habe. Als Startort bietet sich der Bahnhof Reichenau an, oder in meinem Fall der Parkplatz Obere Au in Chur. Von Chur aus hat man 9 abwechslungsreiche Kilometer entlang dem Rhein zum einrollen. Guter Dinge überquert man in Reichenau den Rhein. Linkerhand wirft man einen Blick auf den Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein und mit Blick voraus sieht man den Kirchturm von Tamins und dahinter die Wand zwischen Ringelspitz und Calanda, in der sich der Kunkelspass versteckt.

Blick über den Rhein, nach Tamins hinauf zum Kunkelspass

Stramm geht es nun zunächst vom Rhein hinauf bis auf den Dorfplatz von Tamins. Ein kleiner Volg-Supermarkt bietet nochmals die Gelegenheit sich mit Energiespendern und Flüssigem zu versorgen. Es lohnt auch ein bisschen sich umzusehen, zum Beispiel zum malerisch gelegen Schlösschen.

Am Ortsende geht es nun spürbar nach oben. In einer Doppelserpentine werden die ersten einhundert Höhenmeter überwunden. Man erreicht eine weite Almwiese, umgeben von Wald und Felswänden. Nach einem halben Kilometer steigt das Sträßchen wieder spürbar an, bis man mit der ersten Kehre im Wald die absolute Steilstrecke des Kunkelspasses erreicht hat. Nun geht es die nächsten zwei Kilometer mit durchschnittlich 15-22% extrem steil nach oben. Bald endet auch die Asphaltdecke und das Sträßchen schlängelt sich als Schotterstraße nach oben. Um solch extreme Anstiege zu bewältigen genügt die durchschnittliche Kondition bei weitem nicht mehr und auch der gute Wille stößt an seine Grenzen. 

Ich helfe mir in solchen Fällen mit dem 100-er Trick (Näheres dazu am Textende bei den Praxistipps).

Der Tunnel – ein Highlight am Kunkelspass

Tunnelportal am Kunkelspass
Tunnelportal am Kunkelspass

Hat man die 4 Kehren im Wald hinter sich gelassen geht es unter der Felswand entlang hoch zum Tunnel. Auf diesem Abschnitt wird man als Entschädigung für die Strapazen mit fantastischen Ausblicken belohnt- hinunter nach Tamins und zum Rheinzusammenfluss bei Reichenau, hinüber nach Bonaduz und Rhäzüns.

Der rund 200 Meter lange Tunnel ist natürlich so eine Art Highlight am Kunkelspass. Er ist deutlich flacher als das Sträßchen davor und danach und an mehreren Durchbrüchen hat man beeindruckende Aussichten ins Tal.

Geschaft, der Kunkelspass ist fast erreicht
Geschaft, der Kunkelspass ist fast erreicht

Nach dem Tunnel ist es nicht mehr soweit bis man am Waldrand die Kuppe erreicht. Von hier aus sind es nur noch ein paar flache Meter bis hinüber zur Passhöhe mit dem Berggasthaus. 

Berggasthaus Überuf auf dem Kunkelspass

Die Rast hat man sich verdient und es lohnt sich in der Tat den „Weltbesten“ Blaubeerkuchen zu versuchen.

Tektonikarena Sardona
Tektonikarena Sardona
Tektonikarena Sardona
Tektonikarena Sardona

Von der Sonnenterrasse hat man einen wunderbaren Blick auf die Gipfel des Calandamassivs und der Ringelspitze. Das Panorama ist Teil der Tektonikarena Sardona, ihres Zeichens ebenfalls UNESCO Welterbe. Wer sich kompetent informieren möchte, sollte vielleicht einmal auf folgender Seite nachlesen https://unesco-sardona.ch.

Abfahrt über die flache Nordrampe des Kunkelspass

Nach der Passhöhe geht es wieder flott hinunter, wobei jetzt die 10% Gefälle selten überschritten werden. Nachdem man vom Waldbereich hinaus ins offene Tal gelangt ist, wird das Sträßchen deutlich flacher. Gemütlich kann man nun dahin rollen, ohne allzuviel Muskelenergie aufwenden zu müssen.

Beeindruckend das Calandamassiv

Bereits im Kanton St. Gallen, erreicht man die erste nennenswerte Siedlung Vättis. Hier gibt es auch einen Dorfladen mit Bewirtung und auch das eine oder andere Hotel. Die Straße ist jetzt sehr gut ausgebaut. Ab Vättis begleitet uns auch die Tamina, deren Wasser jedoch nach wenigen Kilometern im Malpraggsee für die Energiegewinnung gespeichert wird. 

Nach der Staumauer geht es wieder etwas bergan. Man kann wählen zwischen der westlichen und östlichen Seite der tief eingekerbten Taminaschlucht.

die tief eingekerbte Taminaschlucht

Westlich kommt alsbald der Ort Valens, östlich gelangt man irgendwann nach Pfäfers. Egal wie man sich entscheidet, beidseitig führen die Straßen hinab ins Rheintal nach Bad Ragaz. Über eine neue, großartige Bogenbrücke sind beide Talseiten miteinander verbunden, während tief unter der Brücke die Tamina durch die gleichnamige, berühmte Taminaschlucht fließt.

Pfäfers
Blick auf Bad Ragas im Rheintal
Das Ziel, Bad Ragas im Rheintal

Praktische Informationen für die Fahrt über den Kunkelspass:

Profil Kunkelspass

Welche Fahrtrichtung ?

Es lohnt durchaus sich Gedanken über die einzuschlagende Richtung für die Fahrt über den Kunkelspass zu machen. Deshalb hab ich auch mal ein vereinfachtes Profil erstellt, um die Thematik zu verdeutlichen. Also von Süden nach Norden oder umgekehrt. Beim Start im Süden fährt man praktisch in eine Wand mit unglaublich steilen Passagen hinein. Ohne Motor und ohne sportliche Kondition braucht man Tricks um diese Herausforderung zu meistern. Startet man im Norden, so hat man zunächst einen strammen Anstieg von rund 300 Höhenmetern zu bewältigen, der aber bei Steigungen bis 10% machbar ist. Dann kommt eine lange, lange Strecke, die zwar durchgehend steigt, aber sehr moderat. Die letzten eineinhalb Kilometer geht es dann nochmals zur Sache, aber wie gesagt, die Steigungsprozente liegen deutlich unter denen der Südrampe. 

100-er Trick

Wenn die Kräfte schwinden, hilft es, die vor einem liegende Herausforderung in kleine Einheiten zu zerlegen. Das ist im Idealfall immer 100 Höhenmeter fahren und dann kurze Pause. Wenn es herber wird, dann 100 Meter oder ein Vielfaches davon (250, 500) fahren und Pause machen. Muss man schieben, bewährt sich ebenfalls die Reduktion auf überschaubare Passagen zwischen 100 und 500 Metern. In der Steilpassage des Kunkelspass habe ich nochmals kleinere Einheiten gewählt – 100 Schritte bis zur nächsten Verschnaufpause. Die Pausen kann man ideal für Fotostopps nutzen.

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